Aargauer Zeitung – Mit Zertifikat und Covid-Fünfliber: Das Aargauer Kantonalturnfest hält an seinen Plänen fest

Das Wettiger Fäscht wurde letzte Woche abgesagt, das Aargauer Kantonalturnfest beim Tägi soll aber stattfinden. Trotz angekündigter Zertifikatspflicht haben sich so viele Turnerinnen und Turner wie noch nie angemeldet.

Ende Jahr schloss sich das Anmeldefenster für das Aargauer Kantonalturnfest. Die Zahlen überraschen selbst die Verantwortlichen: 13’500 Turnerinnen und Turner haben sich für den Grossanlass in Wettingen angemeldet, knapp 500 Vereine werden vom 15. bis 26. Juni vertreten sein. Und das, obwohl eine Zertifikatspflicht angekündigt wurde.

Zum Vergleich: Am letzten Kantonalturnfest 2017 in Muri waren 12’500 Turnerinnen und Turner am Start, 2011 in Brugg-Windisch waren es 12’000. Alles waren Rekordmarken zu ihrer Zeit.

Fabian Weber, Kommunikationsverantwortlicher des Kantonalturnfests, spricht von einem «sensationellen Zuspruch in Zeiten der Pandemie». Einen Grund ortet er im «Coronakoller. Die Turner haben einen enormen Nachholbedarf». Vereins- und Geräteturnen, die meist in grossen Gruppen stattfinden, waren von den Coronamassnahmen stärker betroffen als andere Sportarten.

Schweizer Meisterschaften und Kreisturnfeste wurden reihenweise abgesagt. Es gab während zweieinhalb Jahren kaum Wettkämpfe und lange Zeit keinen Trainingsbetrieb.

Der Sieger vom Eidgenössischen hat sich angemeldet

Einen weiteren Grund ortet Weber in der Strahlkraft der austragenden Vereine aus Wettingen, Neuenhof und Würenlos. Sie gehören, was die turnerische Klasse und Vereinsgrösse betrifft, zur nationalen Spitze. Obwohl nach den vielen Verschiebungen die Konkurrenz unter den elf Turnfesten 2022 gross sein dürfte, haben sich viele für das Kantonale in Wettingen entschieden. Das zeigt besonders die Liste der teilnehmenden Gastvereine. Der amtierende Eidgenössische Turnfestsieger TV Wangen hat sich ebenso angemeldet wie die Schweizer Meister BTV Luzern, TV Rüti oder STV Wetzikon.

«Dass der Zuspruch trotz der angekündigten Zertifikatspflicht so gross ist, bestärkt das OK, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen», sagt Weber. Schon lange bevor Impfungen und Zertifikate auf dem Markt waren, wälzte das OK verschiedene Szenarien von Standard über Light bis hin zur Variante nur Sport (ohne Zuschauer, Rahmenprogramm und Verpflegung). Wie alle haben auch die Verantwortlichen während der Pandemie dazugelernt. Deshalb steht nun die Zertifikatspflicht im Zentrum.

Zertifikatspflicht und Covid-Fünfliber

Man beschäftige sich mit allen Szenarien, 3G, 2G, 2G-plus, oder, wenn es die Lage erlaube, ohne Zertifikatspflicht. «Wir werden uns an die behördlichen Vorgaben halten und stehen im Kontakt mit dem Kanton», sagt Weber.

Trotzdem fällt auf, dass das Wettiger Fäscht, das eine Woche nach dem Kantonalturnfest hätte stattfinden sollen, letzte Woche abgesagt wurde. Die Gemeinde begründet den Schritt mit den möglichen Auflagen wie Zertifikatskontrolle und dem damit verbundenen «zusätzlichen finanziellen Aufwand, der nicht im üblichen Sinne hätte gedeckt werden können».

Weber sagt, dass die Ausgangslagen von Volks- und Turnfest unterschiedlich seien. Falls eine Zertifikatspflicht gilt, findet das Kantonalturnfest in einem umzäunten Areal statt. Es wird Zugangskontrollen geben. Zudem gebe es im Budget des Kantonalturnfests Stellschrauben, um die Mehrbelastung durch Corona abzufedern. Die Verbände haben dies bereits abgesegnet. So wurde etwa der «Covid-Fünfliber» eingeführt, den jeder Teilnehmer im Falle einer Zertifikatspflicht berappen muss. «Diese Möglichkeiten hat ein Wettiger Fäscht nicht», sagt Weber.

«Asyl» für Wettiger Fäscht am Kantonalturnfest?

Nun steht zur Diskussion, ob eine Beteiligung der Wettiger-Fäscht-Vereine am Kantonalturnfest denkbar ist. Denn bereits 2020 und 2021 mussten die Jubiläumsfeier 975 Jahre Wettingen und das Wettiger Fäscht abgesagt werden. Auch hier besteht gewissermassen Nachholbedarf. «Erste Ideen sind skizziert und werden nächstens mit dem OK des Kantonalturnfest diskutiert», teilte die Gemeinde mit.

Weber erläutert, dass es sich dabei aber nicht um Stände oder Beizen der Wettiger-Fäscht-Vereine handeln soll, sondern vor allem um Helfereinsätze der Vereinsmitglieder. «Den grössten Teil der Stände auf dem Areal des Kantonalturnfests betreiben wir selber, und das Konzept für Festgelände und Gastronomie steht bereits.»

Man benötige für den Anlass aber rund 3000 Helferinnen und Helfer. Die Vereine können Helfereinsätze übernehmen und würden dafür finanziell entschädigt. «Die Vereine wurden schon angefragt und Gespräche finden statt», sagt Weber. In den nächsten Wochen werde man eine Auslegeordnung vornehmen.

Quelle: Andreas Fretz, Aargauer Zeitung, 17. Januar 2022

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